Skip to main content

Bild: © Aline Dreifuss, Aqua Viva

Artikel aus dem Jahresbericht 2025 in aqua viva 2/2026

Gemeinsam forschen, verstehen und schützen

Aqua Viva setzt Citizen Science gezielt in der Umweltbildung und im Gewässerschutz ein. Freiwillige und Schulklassen erfassen wertvolle Daten, entdecken Gewässer neu und stärken gleichzeitig ihr Verständnis für ökologische Zusammenhänge. So verbindet Aqua Viva Forschung und Engagement für lebendige Gewässer.

Von Christian Hossli, Christian Felber und Dominic Tinner

Aqua Viva setzt sich auf verschiedenen Wegen für lebendige Gewässer ein – durch Sensibilisierung der Bevölkerung ebenso wie durch Beiträge zur Forschung. «Citizen Science» verbindet beides, weshalb wir uns in mehreren Projekten engagieren. Dabei beteiligen sich Laien an der Datenerhebung und -auswertung: Sie melden Wildtiere im Siedlungsraum, messen Wassertemperaturen oder kartieren seltene Pflanzenarten. So entsteht eine breite Datengrundlage über lange Zeiträume, die Veränderungen früh sichtbar macht. Diese Erkenntnisse sind wertvoll für die Forschung und fliessen direkt in die Planung konkreter Naturschutzmassnahmen ein.

Citizen-Science-Projekte ermöglichen es zudem, selbst Teil der Forschung zu werden. Teilnehmende entdecken «ihre» Gewässer neu, erkennen ökologische Zusammenhänge und tauschen sich mit Gleichgesinnten aus. Das stärkt Vertrauen in die Wissenschaft und fördert Verantwortungsbewusstsein – denn wer selbst beobachtet und misst, schützt bewusster.

Im Projekt Wasser macht Schule haben Schüler:innen die Möglichkeit, Flohkrebse für das Forschungsprojekt amphipod.CH zu sammeln. Dort setzen wir den Citizen-Science-Ansatz ein, um ökologische Zusammenhänge verständlich zu machen und Theorie mit praktischen Handlungskompetenzen im Gewässerschutz zu verbinden. So fördern wir die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können.

Biodiversität entdecken und eingeben mit iNaturalist

In mehreren Gewässerschutzprojekten nutzen wir iNaturalist – eine weltweit genutzte Plattform für Naturbeobachtungen von Pflanzen, Tieren und Pilzen. Mit der kostenlosen App oder über die Website lassen sich Fotos oder Tonaufnahmen einfach erfassen. Eine automatische Bilderkennung liefert erste Bestimmungsvorschläge, die anschliessend von der Community überprüft werden.

iNaturalist bietet einen niederschwelligen Einstieg in die Welt der Biodiversität – und alle Interessierten sind eingeladen, mitzumachen. Ob am Bach nebenan, am Seeufer, entlang eines Flusses oder im eigenen Garten: Wer genauer hinschaut, entwickelt schnell ein Gespür für Lebensräume und ihre Vielfalt. Aqua Viva nutzt die Plattform unter anderem an der Thur, der Töss und an bisher neun «lebendigen Dorfbächen». Doch Meldungen aus allen Gewässerlebensräumen der Schweiz sind wertvoll. Gemeinsam entsteht so ein immer dichteres Bild unserer heimischen Biodiversität – jede Beobachtung zählt.

Wasser macht Schule

Gruppenbild Schulklasse

Im Projekt Wasser macht Schule entdecken und erforschen Kinder und Jugendliche die Wasserwelt am Bach vor der eigenen Tür. Wir unterstützen sie, die beeindruckende Vielfalt von Gewässern wahrzunehmen, Zusammenhänge zu verstehen und eigene Handlungsmöglichkeiten für einen nachhaltigen Umgang abzuleiten. In diesem Rahmen können Schüler:innen Proben von Flohkrebsen für das Forschungsprojekt amphipod.CH sammeln. Dieses schliesst Wissenslücken über Vielfalt und Verbreitung der Schweizer Flohkrebse. Die jungen Forscher:innen erfahren, wie ihr Beitrag das Forschungsprojekt vorantreibt, erhalten die Analyseresulate ihrer eigenen Proben und werden mit einem Zertifikat belohnt.

Projektbeginn: 2006, ab 2021 mit Citizen Science

Projektgebiet: Schweizweit

Projektpartner amphipod.CH: Universität Zürich, Eawag

Bis 2025: 487 gesammelte Flohkrebse von 47 Schulklassen

Thur Artenatlas

Übersichtsbild Aue

Der Thur Artenatlas ist Teil unseres Projekts Lebendige Thur. Damit möchten wir die einzigartige Artenvielfalt entlang der Thur gemeinsam mit der Bevölkerung erforschen und dokumentieren. Ziel des Projekts ist es, aktuelle Informationen über die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt entlang der Thur zu sammeln. So entsteht eine wertvolle Datengrundlage, die nicht nur Einblicke in den Zustand der Lebensräume gibt, sondern auch zukünftige Schutz- und Fördermassnahmen für die Thur und ihre Zuflüsse ermöglicht. Wir ermutigen die Menschen ausserdem dazu, ihren Fluss bewusster wahrzunehmen, seine natürlichen Lebensräume zu entdecken und sich intensiver mit den vielfältigen Tier- und Pflanzenarten auseinanderzusetzen.

Projektbeginn: 2025

Projektgebiet: Thur und beidseitig 500 m

Projektleitung: IG Lebendige Thur

Bis 2025: 5181 Beobachtungen von 228 Beobachter:innen

Lebendiger Dorfbach

Kinder pflanzen Bäume am Bachufer

Mit Lebendiger Dorfbach unterstützen wir Schweizer Gemeinden bei der Revitalisierung kleiner Fliessgewässer im Siedlungsraum. Die ökologische Wirkung begleiten wir durch eine Vorher-Nachher-Erfolgskontrolle. So erfassen wir systematisch, wie sich Lebensräume und Artenvielfalt durch die Aufwertungen entwickeln. Die Resultate veröffentlichen wir auf iNaturalist und stellen sie so als offene Biodiversitätsdaten für Forschung und Planung zur Verfügung. Ergänzend dazu wird die Bevölkerung aktiv einbezogen: An Bioblitz-Anlässen, über Infotafeln vor Ort und in Zusammenarbeit mit Schulen entstehen zusätzliche Beobachtungen direkt aus der Gesellschaft. So macht Lebendiger Dorfbach die Entwicklung der Biodiversität für alle sichtbar.

Projektbeginn: 2022

Projektgebiet: Perimeter von Lebendiger Dorfbach

Projektpartner: Partner-Gemeinden

Bis 2025: 560 Beobachtungen von 40 Beobachter:innen

Ihr Kontakt

Christian Felber

Projektleiter Erlebnis & Bildung

+41 52 625 26 51 

Christian Hossli

Projektleiter Gewässerschutz, Geschäftsführer IG Lebendige Thur

+41 52 510 14 55

Dominic Tinner

Projektleiter Gewässerschutz

+41 52 510 14 59

MEHR GEWÄSSERNEWS

Interview: Der Pfynwald im Wandel

Der Pfynwald gehört zu den artenreichsten Landschaften der Schweiz. Im Zusammenhang mit dem Bau der Autobahn A9 wurden hier umfassende ökologische Aufwertungen umgesetzt. Michel Fontannaz von der Dienststelle für Nationalstrassenbau des Kantons Wallis erklärt, welche Massnahmen umgesetzt wurden und welche Erfolge heute bereits sichtbar sind.

Gewässer des Jahres 2026 – Auenlandschaft Pfynwald

Der Pfynwald zeigt, wie lebendig Flussauen sein können: Wo die Rhone Raum hat, entstehen ständig neue Lebensräume. Aqua Viva zeichnet die einzigartige Auenlandschaft als Gewässer des Jahres 2026 aus. Der Pfynwald macht Hoffnung, dass sich Natur erholen kann, wenn man ihr wieder Raum gibt.

Kinder erforschen den Haselbach – bevor die Revitalisierung beginnt

Mit Kescher, Becherlupe und Messband erkundeten rund 30 Schüler:innen der Primarschule Maschwanden den Haselbach. Sie bestimmten kleine Wassertiere und dokumentierten den Zustand des Gewässers – kurz bevor im Sommer die Revitalisierung beginnt. Aqua Viva begleitet sowohl die Revitalisierung als auch die pädagogischen Aktivitäten.