Bild: © Lachscomeback / Simon Boschi
Artikel aus dem Jahresbericht 2025 in aqua viva 2/2026
Verborgene und unterschätzte Vielfalt erleb- und greifbar machen
Verborgene und unterschätzte Vielfalt erleb- und greifbar machen
Seit 20 Jahren begleitet Aqua Viva Kinder, Jugendliche und Erwachsene an unsere Gewässer. Mit Wassererlebnissen machen wir Unsichtbares direkt sicht- und erlebbar und schaffen so eine wichtige Grundlage, das eigene Handeln zu reflektieren und zu gestalten. Im Rahmen von 173 Wassererlebnissen erlebten 2025 mehr als 3100 Personen die Faszination unserer heimischen Gewässer.
Von Rolf Hungerbühler
«Wir gehen gemeinsam raus ans Gewässer – tauchen ein, erleben und erfahren, stellen Fragen und überlegen, wie wir unsere Gewässer positiv mitprägen können.»
Rolf Hungerbühler, Bereichsleiter Erlebnis & Bildung
Gewässer haben für uns Menschen seit jeher eine besondere Bedeutung und übernehmen wichtige wirtschaftliche und kulturelle Funktionen. Gleichzeitig gehören sie zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Für die meisten von uns bleibt diese Vielfalt im Verborgenen; ihre Bedeutung und Gefährdung sind wenig greifbar. Deshalb gehen wir gemeinsam raus ans Gewässer – tauchen ein, erleben und erfahren, stellen Fragen und überlegen, wie wir unsere Gewässer positiv mitprägen können.
Den Bach vor der Haustür entdecken
Insgesamt 139 Schulklassen erforschten 2025 gemeinsam mit uns «ihren» Bach. Dabei erfreute sich das Modul Wassertiere grösster Beliebtheit. Mit Lupe, Netz und Feldbinokular ausgerüstet gingen wir auf die Suche nach kleinen Wassertierchen. Mit Hilfe eines Bestimmungsschlüssels kategorisierten wir die gefundenen Tierchen und konnten dadurch Rückschlüsse auf die Wasserqualität ziehen. 25 Schulklassen sammelten zudem Flohkrebse und leisteten so einen direkten Beitrag zum nationalen Forschungsprojekt amphipod.CH.
Dem Lachs auf der Spur
Auch dem Lachs waren wir dieses Jahr wieder auf der Spur. Der atlantische Lachs (Salmo salar) steht stellvertretend für eine Vielzahl an Wasserlebewesen, die auf vernetzte und durchgängige Gewässer angewiesen sind. Viele Kinder und Jugendliche kennen den Lachs meist nur noch als Speisefisch und assoziieren ihn mit fernen Ländern wie Kanada. Oft ist ihnen unbekannt, dass dieser majestätische Fisch bis in die 50er Jahre in der Schweiz zu Hause war und kurz vor der Rückkehr steht.
Aqua Viva setzt sich im Rahmen der Kooperation mit dem WWF Projekt «Lachs Comeback» für die Rückkehr des Lachses ein und bietet gemeinsam mit regionalen WWF Sektionen im potentiellen Lachsgebiet der Schweiz die Ferienpassveranstaltung Fluss frei – der Lachs wandert! an. Dabei nutzen wir den Lebenszyklus eines Lachses, um Kinder für die Aufgaben und die Besonderheiten unserer Gewässer sowie für deren grosse Artenvielfalt zu sensibilisieren. Die Kinder lernen den Zusammenhang zwischen der Dynamik eines Gewässers und seiner Umgebung und wieso die Vernetzung von Fliessgewässern für Wanderfische und andere Wasserlebewesen absolut überlebenswichtig ist.
Mit Partnern für lebendige Gewässer
Mit diversen Partnerorganisationen durften wir auch 2025 wieder verschiedene Wassererlebnisse anbieten. 45 Schulklassen begleiteten wir auf eine Pro Natura Bachexkursion an ein Zuger Gewässer. Zehn Schulklassen absolvierten mit uns das Programm «Wasser Stadt Zürich – ruhend, fliessend, klärend», ein Angebot für Zürcher Schulklassen der Naturschulen Zürich. Zwei Schulklassen durften wir auf eine Quellenexkursion des Regionalen Naturparks Diemtigtal begleiten, um diesen speziellen, fragilen Lebensraum zu erkunden. Und eine Schulklasse nutzte das Angebot «Solarschiff ahoi!», welches wir gemeinsam mit der Solarschiff Thun GmbH auf dem Thunersee anbieten.
Der Biologiekurs für Tauchende des Schweizerischen Unterwassersportverbandes SUSV führte uns 2025 an den am stärksten mit Nährstoffen belasteten See der Schweiz, den Zugersee. Wir betauchten den kraut- und fischreichen Tauchplatz Baumgärtli in Immensee, sammelten und bestimmten eine Vielzahl an spannenden Organismen und setzten uns mit dem Ökosystem See auseinander.
Gewässerwissen aktiv zu teilen und das Draussen-Unterrichten am Gewässer zu fördern, stand bei den Aus- und Weiterbildungen von Lehrpersonen im Fokus. Mit insgesamt zwei Lehrpersonengruppen der PH Schaffhausen erforschten wir den Rhein und eruierten sinnvolle Möglichkeiten der Einbettung eines «Draussen- Tages» am Rhein in den regulären Schulunterricht. Der alle zwei Jahre stattfindende Vertiefungskurs «Naturbezogene Umweltbildung am Wasser» des CAS «Naturbezogene Umweltbildung» von SILVIVA/ZHAW war einmal mehr gut besucht und nicht nur für die Teilnehmenden eine wertvolle Bereicherung.
Um unsere Partnerangebote auszubauen, entwickelten wir in Kooperation mit dem Schweizerischen Fischerei-Verband SFV das Angebot Fischer machen Schule neu. Es nutzt die faszinierende Welt der Fische, um mit Schüler:innen in unsere vielfältigen aquatischen Lebensräume einzutauchen und diese aus verschiedenen Perspektiven erlebnis- und handlungsorientiert zu erschliessen. Nebst dem Gewässer selbst machen der mobile Anhänger mit Fischpräparaten sowie interaktive Medien die faszinierende Vielfalt der Fische und deren Lebensräume sicht- und erlebbar. Fischer machen Schule ist 2026 in den Kantonen Zürich, Bern und Schwyz zu Gast und kann ab sofort gebucht werden.
Danksagung
Unsere Arbeit kann nur gelingen, wenn viele Menschen gemeinsam dazu beitragen. Ein grosses Dankeschön gilt deshalb unseren Freelancer:innen für ihren engagierten Einsatz – ohne euch und eure Hingabe ginge es nicht! Ebenso gilt unser Dank all jenen, die uns auf unserem Weg begleiten und mit denen wir eine vertrauensvolle sowie bereichernde Zusammenarbeit pflegen dürfen. Ein besonderer Dank richtet sich zudem an unsere Fördernden, deren Grosszügigkeit unsere Arbeit erst möglich macht.
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